Winterthur, 23. Februar 2002

 

 

Sehr geehrte Frau Pedergnana, sehr geehrter Herr Wohlwend,

 

 

Besten Dank für Ihre (gesamtstadträtliche) Antwort auf unsere Fragen. Sie können sich leicht vorstellen, dass wir über Ihre persönliche Unterschrift unter dem Papier nicht gerade glücklich waren. Hat doch die SP in der letzten Legislatur mit der Unterstützung der Motion "Weibel/Gfeller/Würgler" insgesamt deutlich gemacht, dass in Bezug auf die Verkehrssituation auf der Rychenbergstrasse einiges gar nicht zum Guten steht.

 

Wir nehmen zwar erfreut zur Kenntnis, dass der Stadtrat unseren "Anliegen auch weiterhin mit Offenheit und Engagement" begegnen will. Wir fragen uns aber wirklich, wieviele "Anregungen" noch gemacht werden müssen, damit sich auch auf dem grossen Teil ab Haldenkreisel bis Stadlerstrasse (85% der Länge!) irgend etwas bewegt. Die Anbringung einer einzigen zusätzlichen Tafel an einem einzigen Fussgängerstreifen kann nun beim besten Willen nicht als Verkehrsberuhigung bezeichnet werden. Das ist gelinde gesagt  - Entschuldigung - "zynisch"!

 

Die Behauptung schliesslich, der Durchgangsverkehr sei lediglich derjenige Anteil an Fahrzeugen, der die ganze Länge der Rychi traversiert, spottet jeglicher verkehrstechnischen Analyse. Das ist - Entschuldigung - grober Unfug. Ich hoffe nicht, dass Sie uns als dumm verkaufen wollen....

Der Anteil des Durchgangsverkehr beläuft sich im Gegenteil - laut den Erhebungen von Verkehrsplaner  Rüsch in 1999 und 2000 - je nach Strassenhöhe zwischen 30 und 40%! Das sind diejenigen Fahrzeuge, welche die Rychenbergstrasse (und angrenzende Sammelstrassen) nur für die Durchfahrt benutzen. Dies ist im Bericht "Verkehr 2000" (von der Stadt) nachzulesen.

 

Weiterhin: Wenn der Durchgangsverkehr kein Problem sein soll, dann spricht erst recht nichts gegen die Einführung von wirksamen verkehrsberuhigenden Massnahmen, wie z.B. Tempo 30/40. Für den Anwohnerverkehr ergibt sich daraus überhaupt kein Problem. Dafür aber ein grosser Gewinn für Sicherheit und Lebensqualität im Quartier.

 

Letzthin hat wieder eine Familie mit kleinen Kindern, welche ein Haus an der Rychi kaufen wollte diese Absicht im letzten Moment fallen gelassen. Ich zitiere: "Entscheidend war, dass vor 2 Wochen Nina, die Mittlere unserer 3 Kleinen am Abend als ich sie an der Rychi von der Krippe holte, auf die Strasse gelaufen ist. Es war kurz vor 18:00 Uhr. Ich konnte sie mit riesigem Glück im letzten Moment am Kragen packen. Es kam ein Auto nach dem andern (teilweise mit überhöhter Geschwindigkeit) und das war der entscheidende Punkt für mich. Wir haben an der Rychi abgesagt, obwohl es uns eigentlich sehr gut gefallen hätte" und "Was ist wohl so schlimm, dass es nicht möglich ist, den Verkehr wenigstens auf 40 zu reduzieren. In der Breite ist dies doch auch möglich und es fährt doch auch ein Bus vorbei..."

 

Ja, weshalb eigentlich nicht?

Wollen Sie als zukünftige Stadträtin bzw. Stadtpräsident von Winterthur wirklich dafür verantwortlich sein, dass die Wohn- und Lebensqualität an der Rychenbergstrasse schleichend vom Verkehr erstickt wird?

 

Wir freuen uns, wenn Sie am 3. März wiedergewählt werden. Noch mehr würde uns aber freuen, wenn der Stadtrat die Anliegen der Bewohner an der Rychenbergstrasse endlich - nicht nur auf dem Papier - ernst nehmen würde.

 

Mit freundlichen Grüssen

Reto Diener
Interessengemeinschaft Rychenbergstrasse