30. November 2001


SÜDOSTUMFAHRUNG

Winterthur auf Ersatzbank

Die Winterthurer Umfahrungsprojekte stehen auf der Prioritätenliste weit unten – wenigstens für den Moment.

MASSIMO DIANA

Breite- und Taggenbergtunnel, die direkte Erschliessung der neuen Zentrumszone Oberwinterthur sowie die Entlastungsstrasse zwischen Letten und Strassenverkehrsamt in Wülflingen haben für den Kanton geringe Priorität. Bei der derzeit herrschenden Ebbe im Strassenbaufonds besteht kaum eine Chance, dass diese je realisiert werden. Das bedeutet nicht, dass die Südostumfahrung samt Breitetunnel definitiv vom Tisch sind. Sie kommen sozusagen auf die Ersatzbank. «Im Rahmen der kantonalen Strategie für Hochleistungsstrassen (HLS) könnte die Südostumfahrung wieder aktuell werden», sagt Andreas Hurter, Leiter Planung und Steuerung im kantonalen Tiefbauamt und präzisiert: «Dann nämlich, wenn die zurzeit laufende Zweckmässigkeitsprüfung ergibt, dass diese Umfahrung tatsächlich zu einer Entlastung führt.» Gleichzeitig werde auch die Zweckmässigkeit eines Ausbaus der A1 rund um Winterthur auf sechs Spuren geprüft. Die Resultate werden laut Hurter aber erst in einem Jahr vorliegen.

Der Winterthurer Kantonsrat Willy Germann (cvp) ist Mitglied der Kommission Energie, Umwelt, Verkehr. Die schlechte Einstufung des Breitetunnels ist für ihn ein Signal: «Der Nutzen eines Breitetunnels zur Entlastung des Winter- thurer Strassennetzes ist verglichen mit den Kosten gering», schätzt er. Ganz anders sieht es Markus Graf, Präsident des Vereins «Pro Südumfahrung Winterthur»: «Die schlechte Einstufung des Breitetunnels ist kein Drama», sagt er. Für Graf ist ausschlaggebend, dass der Kanton bei der Zweckmässigkeitsprüfung im Rahmen der HLS-Strategie versprochen hat, die Anliegen der Stadt Winterthur «angemessen zu berücksichtigen». Für Markus Hutter, FDP-Gemeinderat und ACS-Präsident, ist eines klar: «Ohne eine Südostumfahrung wird es auf den Sulzer-Arealen Stadtmitte und Oberwinterthur keine Entwicklung geben, weil die Erschliessung fehlt.» Anderer Meinung ist Walter Bossert, Verkehrsspezialist der SP-Fraktion: «Die Sulzer-Areale können mit wenigen Strassen erschlossen werden. Eine Südostumfahrung mit Breitetunnel braucht es deswegen nicht.»

Die Frage, ob eine neue, tiefer gelegte Vogelsangstrasse erstellt werden soll, werde unabhängig von der gestern vorgestellten Prioritätenliste angegangen, erläuterte Planungsleiter Andreas Hurter: Die Diskussion drehe sich vorerst darum, ob dieses Strassenstück in den regionalen Richtplan aufgenommen werde, wie dies der Winterthurer Stadtrat dem Regierungsrat beantragt habe. Gegen dieses Vorhaben sind verschiedene Einwendungen eingereicht worden. Zudem ist offen, ob die tiefer gelegte Vogelsangstrasse dereinst Teil der Südostumfahrung oder nur Zubringer zum Stadtzentrum und zum Sulzer-Areal sein wird – mit oder ohne Anschluss an die überlastete Technikumstrasse.