8. November 2001


INFORMATIONSABEND ZUR STADTENTWICKLUNG IN HEGI

Verkehrsprobleme in Aussicht

Der Stadtteil Hegi wird kräftig wachsen. In nächster Zeit werden 168 neue Wohnungen gebaut. Die Auswirkungen dieser Entwicklung sind an einem Informationsabend intensiv diskutiert worden.

VINCENT FLUCK

«Die Stadt Winterthur wächst, und zwar dorthin wo es Platz hat – nach Hegi.» Mit diesen Worten eröffnete der Präsident des Ortsvereins Hegi am Dienstagabend den Informationsabend im Saal der Gemeinde von Christen. Der Saal war über- voll mit Zuhörerinnen und Zuhörern. Es waren viel mehr gekommen als die Organisatoren erwartet hatten. Zu den etwa 850 Haushalten, die es jetzt in Hegi gibt, sollen in den nächsten Jahren weitere 300 bis 400 dazukommen. Die Organisatoren des Informationsabends wollten nicht nur über die verschiedenen Bauprojekte informieren, sondern auch die Fragen ansprechen, wo die Kinder der Zugezogenen in die Schule gehen, und wo die vielen zusätzlichen Autos durchfahren werden.

Wohnungen und ein Einkaufszentrum
Im Gern, dem grösstenteils unverbauten Gebiet südlich der Rümikerstrasse, stehen drei Wohnbauprojekte kurz vor der Realisierung. Wenn alles nach Plan geht, werden in zwei Jahren 168 neue Familien hier wohnen (siehe Kasten). Bereits im Bau ist die Markthalle. Ins Gerede gekommen war diese, weil als wichtiger Mieter der Mediamarkt gewonnen wurde. Anwohner befürchten, dass die Kunden der Markthalle zusätzlichen Verkehr verursachen. Der Initiator der Markthalle, Otto Bednar, entgegnete, dass seine Bauparzelle von Gewerbebetrieben umgeben sei und daher eine Wohnnutzung nicht angebracht sei. Ausserdem würden hier 100 neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Leute, die in Zukunft hier wohnten, müssten auch irgendwo arbeiten können.
Etwas weiter von der Realisierung entfernt sind die Projekte von Sulzer Immobilien. Gemäss deren Vertreter, Renato Weilenmann, besitzt die Firma östlich vom Gern 90 000 Quadratmeter Wohnbauland, das an private Investoren verkauft werden soll. Im Sulzer-Areal Oberwinterthur warten weitere 600 000 Quadratmeter auf eine Umnutzung. Doch handfeste Projekte sind erst möglich, wenn die neue Bau- und Zonenordnung in Kraft tritt. Vorgesehen sind mindestens 20 Prozent Wohnanteil.

Viele Seiten eingebunden
Auf die Fragen des Publikums gingen auf dem Podium zwölf Männer ein. Die ungewöhnlich hohe Zahl von Podiumsteilnehmern drückte aus, wie komplex Projekte sind, die mit Stadtentwicklung zu tun haben und wie viele Parteien eingebunden sind. Geleitet wurde die Diskussion von Andri Bryner, Redaktor beim «Landboten». Wo die zusätzlichen Kinder zur Schule gehen werden, lautete die erste Frage. «Wir können erst Schulraum schaffen, wenn die Schüler da sind», erklärte Richi Harlacher, Vertreter der Schulpflege Oberwinterthur. Es seien noch keine konkreten Massnahmen geplant. Es bestünden aber Möglichkeiten, auch relativ kurzfristig auf eine Zunahme zu reagieren. So gäbe es im Hegifeld zwei Kindergartenabteilungen, von denen im Moment nur eine genutzt werde. Der Diskussionsleiter gab den Ball an die Vertreter der privaten Bauprojekte weiter, und forderte sie auf, für den Bau eines Kindergartens Hand zu bieten. Laut Beat Zani, Geschäftsführer Zani AG, hatte seine Firma in einer Projektstudie einen Kindergarten geplant, doch zu konkreten Schritten sei es nicht gekommen.
Um die Wohngebiete westlich vom Hegemer Dorfkern zu schützen, wird der Verkehr auf der Rümikerstrasse nach Süden über die Sulzer-Allee geleitet. Eine Strassenschlaufe wird den Verkehr auf die tiefer liegende Seenerstrasse führen. Ab Sommer 2002 soll der Bau beendet sein. Bis in einem späteren Stadium eine zusätzliche Strassenschlaufe erstellt ist, werden die Verkehrsströme bei der Einmündung in die Seenerstrasse mit einer Lichtsignalanlage reguliert. Ein Zuhörer wendete ein, dass die Seenerstrasse jetzt schon an ihrer Kapazitätsgrenze sei. Die Lichtsignalanlage werde alles nur verschlimmern. Weitere Frage: Warum denn die Stadt nicht beim Kanton vorstellig werde, der für die Seenerstrasse zuständig sei . Man sei im Gespräch, war die Antwort von Stadtplaner Ruedi Haller, doch der Kanton sei mit seinen Planungen noch nicht so weit.
Weitere Fragen löste die neue Überbauung im Heidenbühl auf Elsauer Gemeindeboden aus. Die Siedlung sei über die Rümikerstrase erschlossen worden, warum nicht über die St.-Galler-Strasse im Süden? Hegi müsse nun unter dem Zusatzverkehr leiden. Laut Stadtplaner Haller haben sich die Grundstückbesitzer durchgesetzt, welche die Kosten der Erschliessungsstrasse tragen mussten. Die Gemeindeversammlung Elsau habe in ihrem Sinne entschieden.