Der Stadtrat lehne wirksame Verkehrsberuhigungsmassnahmen an ihrer Strasse ab, kritisiert die IG Rychenbergstrasse. Jetzt rekurrieren Anwohner gegen die neue BZO und fordern ein Verkehrskonzept.
Die Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf der Rychenbergstrasse von 50 auf 40 oder gar 30 Stundenkilometer wären sehr geeignete Massnahmen, um den Durchgangsverkehr zu verringern und die Sicherheit zu erhöhen. Zu diesem Schluss kommt der Bericht der Arbeitsgruppe Rychenbergstrasse, dem Vertreter der Anwohner, der Stadtpolizei, der Verkehrsplanung, der Umweltschutzfachstelle sowie der Verkehrsbetriebe angehören. Der Bericht ist gestern von der IG Rychenbergstrasse, einer Interessenvereinigung von Anwohnern, publik gemacht worden. Ein Fahrverbot für Lastwagen und die Unterbrechung der Strasse werden als weitere geeignete Verkehrsberuhigungsmassnahmen bewertet. Doch zum Verdruss der IG wolle der Stadtrat keine dieser Massnahmen verwirklichen. «Wir haben ein Recht auf eine Verkehrsberuhigung», betont Kopräsident Reto Diener. Bei 90 Prozent der Häuser an der Rychenbergstrasse werde der Lärmgrenzwert von 60 Dezibel überschritten. Ein Drittel des Verkehrsaufkommens – täglich 6400 Fahrzeuge – sei reiner Durchgangsverkehr, zu viel für eine Strasse, die im kantonalen Richtplan als kommunal klassiert ist, sagt Diener. Dieser Verkehr gehöre auf die Achse Frauenfelder-/Römerstrasse.
Kein Ende der Zunahme Die IG Rychenbergstrasse befürchtet, dass mit den Ausbauplänen von Coop und Migros in der Grüze der Verkehr auf der schon heute überlasteten Frauenfelderstrasse derart zunimmt, dass die Rychenbergstrasse als Ausweichroute noch beliebter wird. «Die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Coop-Projekt geht von einem Mehrverkehr von täglich 10 000 Fahrzeugen aus», stellt Christian Gantner, ebenfalls IG-Kopräsident, fest. Eine Anwohnergruppe von der Rychenbergstrasse habe darum einen Rekurs lanciert gegen die in der neuen Bau- und Zonenordnung (BZO) vorgesehene Umzonung eines Teils des Sulzer-Areals Oberwinterthur von einer Industrie- zu einer Zentrumszone. «Die IG Rychenbergstrasse hat vor kurzem beschlossen, diesen Rekurs finanziell zu unterstützen. Es ist genug Geld vorhanden, um bis vor Bundesgericht zu gehen», betont Gantner. Trotzdem wolle die IG Rychenbergstrasse weiter mit der Stadt reden. Der Stadtrat müsse jetzt ein Verkehrskonzept vorlegen, aus dem hervorgehe, wie der Durchgangsverkehr von der Rychenbergstrasse ferngehalten werden könne. Es gehe nicht an, die ausschliesslich durch Wohngebiet führende Rychenbergstrasse de facto zur Durchgangsstrasse aufzuklassieren, um die heute schon überlastete Achse Frauenfelder-/Römerstrasse zu entlasten.
Stadtrat Hans Hollenstein, Chef des Departements Sicherheit, bekräftigte auf Anfrage die Haltung des Stadtrats. Die im westlichen Teil der Rychenbergstrasse realisierten Massnahmen (Kreisel, versetzte Parkplätze) seien ausreichend. Am heutigen Verkehrsregime wolle man deshalb nicht rütteln: Also keine Unterbindung des Durchgangsverkehrs und keine Senkung der Tempolimite auf 40 oder 30 Stundenkilometer. Ein Fahrverbot für Lastwagen sei nicht sinnvoll, da diese nur 0,7 Prozent des Verkehrsaufkommens ausmachten. Es stimme, dass der Durchgangsverkehr 30 Prozent aus- mache, aber nur zwischen Römertor und Haldenstrasse. Von dort teile sich dieser etwa hälftig.